Berlin: Gesundheit first!

Der Berliner Länderbeirat trifft sich mit der Senatorin für Wissenschaft Gesundheit und Pflege, Frau Dr. Ina Czyborra.

Von links nach rechts: Länderbeiräte S. Heiduk-Bothe, J. Spieckermann, Senatorin Dr. I. Czyborra, Länderbeiräte K. Sielemann, Dr. U. Schmitz

„Gesundheit first!“ lautete die Forderung des Länderbeirats Berlin am 5. Juni 2025 im lang erwarteten Gespräch zur medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Post Covid, ME/CFS und Post Vac mit der Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, Frau Dr. Ina Czyborra.

Im Berliner Koalitionsvertrag war eine Long Covid-Ambulanz versprochen worden. Ursprünglich waren dafür 2 Millionen Euro geplant, im Haushalt beschlossen wurde 1 Million Euro. Stattdessen werden aktuell drei PAIS-Beratungsstellen mit 300.000 Euro gefördert, um Betroffene mit Long/Post Covid, Post Vac und ME/CFS und ihre Familien u.a. zu sozialrechtlichen Anliegen zu unterstützen. Diese Beratungsangebote sind fraglos ein wichtiges Hilfsangebot für die Betroffenen und deren Familien. Die medizinische Versorgung jedoch ist existenziell und daran mangelt es weiterhin.

Nachdem wir im Jahr 2024 mehrere Stellungnahmen zur prekären medizinischen Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen in Berlin gegenüber dem Senat abgegeben haben, konnten wir im Gespräch erläutern, dass es nach wie vor an Fachwissen und Kapazitäten in den Berliner Kinder- und Hausarztpraxen fehlt und dringend ein Wissenstransfer von den wenigen Expert:innen in Deutschland in die ambulante Versorgung gelingen muss. Die Versorgungsforschungsstudie PAIS Care im Erwachsenenbereich wird dazu bis zu 100 Berliner Hausärzt:innen einbinden. Ein entsprechendes Projekt zur Einbindung der Kinderärzt:innen fehlt. Das wäre aber wichtig, denn sie sind in der Regel die erste Anlaufstelle für die erkrankten Kinder. 

Die Senatorin und ihre Staatssekretärin, Ellen Haußdörfer, erklärten, dass rechtliche Hürden sie an dem Aufbau oder der finanziellen Unterstützung einer Long Covid Ambulanz hindern. Erfolgsversprechender erscheine es, im Rahmen der stationären Versorgung der betroffenen Kinder finanziell zu unterstützen.

Wir haben daher vorgeschlagen, Personal im Rahmen des Projektes PEDNET-LC im Sozialpädiatrischen Zentrum der Charité aufzubauen und entsprechende Rahmenbedingungen zur Diagnostik, Behandlung und Unterbringung auf den Stationen nach dem Vorbild des Klinikums MRI der Technischen Universität München (Kinderklinik Schwabing) zu schaffen. Darüber hinaus haben wir darum gebeten, das Thema Schwerpunktpraxen nach § 116 SGB V für Betroffene mit Long/Post Covid, ME/CFS und Post Vac auf Bundesebene zu beleuchten, um auf Gesetzesebene die erforderlichen Grundlagen für die Einrichtung derartiger Praxen zu schaffen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um die ambulante Versorgung zu stärken. Die Gesundheitssenatorin wird die angesprochenen Punkte mitnehmen, wies aber zugleich auf die angespannte Haushaltslage in Berlin hin.

Wir rechnen: 1.000.000 minus 300.000 EUR. Da müssten noch 700.000 EUR übrig sein, die in die Verbesserung der medizinischen Versorgung der teils schwer erkrankten Kinder und Jugendlichen in Berlin investiert werden könnten.
Wir bleiben dran. 👍

[Katja Sielemann 05.06.2025, Update 03.09.2025]